Wohnbau Koppstraße

Ort: 1160, Wien Map Pin
Baujahr: 1999
Wohneinheiten: 200

Bauträger: Gesiba

© Fotos: Margherita Spiluttini/Manfred Seidl

Der Geschosswohnbau wird zuerst in einer Ebene gedacht. Es geht darum, Bauland wohnbar zu machen. Was zuerst heißt, ein Straßensystem und Bebauungsregeln zu konzipieren. Wir brauchen also eine Straße (Weg), daran legen wir das bebaubare Grundstück (Parzelle) und schließen mit einem Freibereich (Grün) ab. Die bebaubare Zelle selbst unterteilen wir wieder in dienende und bediente Räume. Diese nun "baureifen" Grundstücke werden jetzt im städtischem Kontext übereinander gestapelt.
Es entsteht ein Geschosswohnbau, der sich als urbane (vertikale) Landschaft im wahrsten Sinne des Wortes darstellt. Die einzelnen Geschosse werden nunmehr als horizontale Schichten einer Landschaft verstanden. Die Schichtanzahl ist ein Maß für die urbane Verdichtung.
Im nächsten Schritt wird entlang dieser "Grundstücksreihen" ein Duktus für die Infrastruktur geschaffen. Dieser gehorcht den Gesetzen der Ökonomie, der Statik und der Offenheit für die Wohnungstypologien.
Die Grundrissvorschläge für die verschiedenen Wohnungsgrößen lehnen sich alle am Loft-Gedanken an. Die freie, bediente Raumzone (mit einer Innen- und einer Außenraumschicht) ist um einen zentralen Raum angesiedelt. Die Neutralität der einzelnen zu- und wegschaltbaren Räume gewährleistet, dass der jeweiligen Wohn- und Lebensform der Menschen kein bestimmtes Leitbild aufgezwungen wird.
Wesentlich ist uns der Gedanke, dass es sich um kein einzeln konzipiertes Gebäude, sondern um ein vielschichtiges urbanes Quartier handelt, eine vielfältig nutzbare Struktur, ein Raum-Kontinuum, das durch seine BewohnerInnen interpretiert werden kann.
Nicht die Architektur steht im Vordergrund, sondern ihr Gebrauch. Erst damit erfährt das Konzept seine volle Entfaltung. Das Unvorhersehbare wird dabei nicht nur akzeptiert, es wird vielmehr zum Bezugspunkt gemacht. Ein offenes Konzept, das der Lebendigkeit, Dynamik, der Schnelligkeit und Vielfältigkeit der modernen Gesellschaft gerecht wird - ein Spiegelbild unserer Zeit.